Papageientaucher auf Skomer
Ein Papageientaucher "präsentiert" seine Beute, bevor er in seiner Nisthöhle verschwindet

Naturparadies Skomer – Insel der Papageientaucher

Ein Papageientaucher steht in einem Feld voller Kamille. Er schaut nach links, wendet den Kopf nach rechts. Beim Blick nach vorn schlägt er kurz und kräftig mit seinen Flügeln. 
Es scheint ganz so, als wolle er sagen: „Leute, schaut mal, wie viel Fische ich gefangen habe.“

Doch die anderen Papageientaucher um ihn herum interessiert das nicht. Ganz im Unterschied zu einigen Fotografen und Familien, die die Szenerie schmunzelnd beobachten.

6.000 Puffin-Paare brüten auf Skomer

Der Puffin, wie der Vogel auf Englisch heißt, gehört zu einer Gruppe von rund 6.000 Paaren, die jedes Jahr vom frühen April bis frühen August auf der Insel Skomer brüten und ihre Jungen aufziehen. Die übrige Zeit des Jahrs verbringen sie auf dem offenen Meer in der Biskaya – zwischen Frankreich und Spanien.

In den ersten Wochen sind sie damit beschäftigt, auf Skomer ihre unterirdischen Bruthöhlen aus dem vergangenen Jahr wieder zu beziehen oder neue zu graben.

Meist sieht man nur ihr Hinterteil und wie sie mit ihren kleinen Füßen Lehm und vertrocknetes Gras aus dem Erdloch buddeln, das ihnen als Nisthöhle dient.

Am besten sind die Papageientaucher vom späten Juni und im Juli zu beobachten, wenn sie ihre Küken aufziehen und ständig Futter holen.

Papageientaucher zeigt seine Beute

Der Puffin bleibt nicht lange stehen, um sich und seine Beute bestaunen zu lassen. Er dreht sich um und wackelt auf seinen kurzen Beinen zu seiner Höhle davon.

Es ist auf Skomer ein Kommen und wieder Fort-Fliegen, um Fisch zu bringen oder zu fangen. In der Kolonie ist ständig Bewegung.

Ganz im Unterschied zu anderen Orten stört es die Vögel nicht, dass die vielen Touristen so nah an sie herankommen.

Denn sie wissen, die Menschen benehmen sich, bleiben hinter der niedrig angebrachten Leine und betreten nicht das Revier der Vögel.

Papageientaucher auf Skomer
Papageientaucher sind auf Skomer die Lieblinge der Besucher

Skomer ist nach Anglesey im Nordwesten die zweit größte Insel in Wales und ein sehr beliebtes Ausflugsziel für Familien, Vogelfreunden, Naturliebhabern und Hobbyfotografen.

Laut Wildlife Trust of South and West Wales gilt Skome als eins der bedeutendsten Wildtiergebiete in Nord-West-Europa (WT).
Aus diesem Grund dürfen täglich nur 250 Touristen die Insel besuchen.

Die Papageientaucher sind sicher die auffälligsten und wegen ihres Aussehens und Gebahrens bei den Besuchern bestimmt auch die beliebtesten Vögel. Auf Skomer leben aber noch viel mehr Tiere.

Skomer ist ein Rückzugsort für viele Vogelarten

Biologen haben auf Skomer zahlreiche Vogelarten gezählt:

  • über 100.000 Paare Atlantiksturmtaucher
  • etwa 45.000 Paare Schwarzschnabelsturmtaucher
Die Hälfte der Weltpopulation lebt auf Skomer und auf der Nachbarinsel Skokholm
  • rund 14.000 Lummen
  • 6.000 Paare Papageientaucher
  • 3.000 bis 4.000 Tordalken
  • über 2.000 Paare Dreizehenmöwen, die die Briten nach ihrem Ruf nennen und sich wie „Kittiwakes“ anhört
  • rund 700 Paare Eissturmvögel
  • weitere Vogelarten, zu denen ich keine Zahlen recherchieren konnte, sind: Razorbills, Guillemots, Kormorane, Austernfischer, Wheatears, Whiteboates, Dumnochs, Wood Pigeons, Skomer Vole
  • Nicht alle dieser Vögel lassen sich bei einem Besuch auf der Insel beobachten. Viele sind scheuer als die Puffins. Andere, wie etwa die Atlantiksturmtaucher zeigen sich nur nachts.

Insel im Südwesten von Wales

Skomer liegt im Südwesten von Wales, vor der Küste von Pembrokeshire. Die 307 Hektar große Insel besteht aus einem recht großen und einem kleinen Inselteil, die über eine Art Landbrücke mit einander verbunden sind und beide gut 60 Meter aus der St. Bridal’s Bay herausragen.


An dieser schmalen Inselbrücke befindet sich ein kleiner Hafen, in dem die Ausflugsboote anlegen.

Das Klima ist sehr mild und laut WT eins der regenärmsten Gebiete in ganz Wales. Jährlich fallen weniger als 76 Zentimeter Regen. Allerdings können hier starke Winde wehen.

Besucher erreichen mit dem Schiff Skomer
Die einzige Möglichkeit nach Skomer zu gelangen ist die Überfahrt mit einem Schiff
Besucher verlassen mit dem Schiff Skomer
Am Nachmittag geht es von dem kleinen Hafen auf Skomer wieder zurück nach Martin's Haven

Und so kommt es an manchen Tagen vor, dass die kleinen Boote, die die Touristen nach Skomer bringen, den Hafen von Martin’s Haven nicht verlassen. Aber welcher Tourist ist schon so seefest, dass er die etwa viertelstündige Überfahrt bei rauem Seegang gut übersteht oder überstehen möchte.

Skomer war eine Zeit lang besiedelt

Auf Skomer leben nicht nur zahlreiche Vogelarten, Eidechsen und Seehunde. Die Insel war bereits vor 4.000 Jahren bis etwa zu Christi Geburt bewohnt.

Davon zeugen viele Relikte, die Archäologen ausgegraben haben. Diese Menschen müssen trockenen Fußes Skomer erreicht haben, das damals mit dem Festland verbunden war.

Weshalb sie die Insel verlassen haben, ist unbekannt. Historiker und Archäologen vermuten, dass ihnen das Holz zum Feuermachen ausgegangen war.
Das klingt plausibel. Denn auf ganz Skomer gibt es keine Bäume, sondern allenfalls nur Büsche.

Das Inselplateau ist überdeckt mit Gräsern, Farn und Kräutern wie Kamille. Im Mai und Juni überdecken blaue Wiesenglockenblumen (Bluebells) und rote Lichtnelken (Red Campion) Skomer, im Herbst die lilafarbene Heide.

Wikinger gaben der Insel ihren Namen

Auch die Wikinger müssen auf ihren Raubzügen mal vorbeigeschaut haben. Denn der Name Skomer leitet sich von dem nordischen Begriff Skalmeye, gespaltene Insel, ab.

Im 19. Jahrhundert hat offensichtlich ein Bauer  einen Versuch unternommen auf Skomer zu leben. Denn die Überreste seiner Farm stehen auf der Hauptinsel.

Auf Skomer leben Ranger und Studenten

Doch von Menschen ganz unbewohnt ist Skomer auch heute nicht. Denn in den Sommermonaten lebt hier ein Ranger und passt auf, dass die Tiere nicht gestört werden.

Freiwillige Naturschützer und Biologiestudenten übernachten tage- und wochenweise hier, um die Tagesbesucher zu betreuen oder die Vögel zu beobachten.

Während ihrer Zeit auf der Insel übernachten sie im ehemaligen Kuhstall der Farm.

Es gibt den interessanten >> Skomer Island Blog , auf dem die Freiwilligen über ihre Tätigkeit auf der Insel berichten.

Für eine Fahrt nach Skomer lohnt sich der tiefere Griff ins Portemonnaie

Jeder, der sich auch nur ein klein wenig für die Natur interessiert, sollte nach Skomer fahren. Es ist ein wunderbares Erlebnis. Allein für die niedlichen Papageientaucher lohnt es sich. Ich kenne keinen Ort, wo man diese wild lebenden Tiere so nah beobachten kann.

Ich möchte aber auch nicht verschweigen, dass man gerade als Familie tiefer ins Portemonnaie greifen muss.

Wie an vielen anderen Orten zwischen John o’Groates und Dover, Holyhead und Norwich bitten die Briten die Touristen auch für einen Ausflug nach Skomer zur Kasse.

So kosten die Hin- und Rückfahrt sowie die Genehmigung die Insel zu betreten pro Person 40 Pfund. Das sind rund 46 Euro – auch für Kinder und Jugendliche.

Aber, um es noch einmal zu betonen, es lohnt sich sehr. Beißt in den sauern Apfel und fahrt nach Skomer.

INFOS

Mit dem Schiff zur Insel Skomer

Abfahrten Martin’s Haven – Skomer

April bis August
Dienstag bis Sonntag und Whitsun Bank Holiday Monday 10, 11 und 12 Uhr

September
Dienstag bis Sonntag und Whitsun Bank Holiday Monday 11 Uhr

Abfahrten von Skomer – Martin’s Haven
Dienstag bis Sonntag 15 Uhr, danach abhängig von den Hinfahrten

Die Abfahrtszeiten können sich aufgrund des Wetters und der Gezeiten verschieben oder sogar ausfallen.
Daher gibt es auf Twitter einen tagesaktuellen Zeitplan: @skomer_boatinfo

Preise
April bis Juli
Überfahrt 20 Pfund, Gebühr das Land zu betreten 20 Pfund

August und September
Überfahrt 15 Pfund, Gebühr das Land zu betreten 15 Pfund

>> Weitere Informationen

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Reise- und Ausflugsziele

Heiko Kalweit

Freier Fotograf & Journalist

Willkommen, 
ob im Beruf, im Urlaub oder in meiner Freizeit, ich bin gern unterwegs.
In diesem Reiseblog berichte ich über meine Reisen in Deutschland und Europa. 
Da man nicht immer um den halben Globus fliegen muss, um interessante Orte zu entdecken, schreibe ich auch über Ausflüge in die Umgebung meiner Heimat Nordrhein-Westfalen.